Spielen am Fischbach
In Gonsenheim hatten wir Kinder viele Möglichkeiten zum Spielen. Vor allem wir Buben liebten es, irgendwo in der Natur sich aufzuhalten.
In Gonsenheim hatten wir zwei Möglichkeiten, an einem Bach zu spielen.
Das eine war der Gonsbach, ein kleiner Bach, der von einer Quelle aus gespeist bis in den Rhein floss.
Für uns Jungs war zum damaligen Zeitpunkt aber der sogenannte Fischbach wesentlich interessanter.
Das hatte den ausschlaggebenden Grund darin, dass der Fischbach über kleine Quellen direkt gespeist und diese inmitten eines Natur- Bassins aus dem Boden quellten.
Das Natur-Bassin war ein kleiner Teich, welcher dann durch eine kleine Holzstaustufe in einen Bach geleitet wurde.
Genau nach dieser Staustufe begann bereits die Vegetation am Bachufer. Dort wuchsen die Gräser und Büsche so dicht an dem Bach, dass sie weit in die Mitte des Bachbettes ragten.
Das war natürlich ein Eldorado für die kleinen Stichlinge.
Wir Buben wussten allemal darum und deshalb war es für uns ganz selbstverständlich, einige dieser Stichlinge zu fangen und zu Hause in einem Einmachglas zu halten.
Was wir dabei nicht wussten, dass es sich um wilde Fische handelte und diese in einem kleinen Aquarium oder Einmachglas verenden würden. Sie benötigten zum Überleben auf jeden Fall fließendes Wasser, welches reichlich mit Sauerstoff und Nährstoffen angereichert war.
In Unwissenheit dessen rüsteten wir uns mit leeren Dosen, Damenstrümpfen als Fangnetz und Gummistiefeln aus.
Die Gummistiefel benötigten wir eigentlich nur im Spätherbst, wenn das Wasser zu kalt wurde und man nicht mehr zu lange barfüßig in dem kleinen Bach verweilen konnte.
Zu dritt und viert stiegen wir dann in
den kleinen Bach. Von zwei Seiten liefen wir aufeinander zu und trieben so die
kleinen Fischchen enger zusammen.
Sie tummelten sich dann unter den Büschen und Gräsern, die den armen Fischchen
ein vermeintliches Versteck boten.
Jetzt hatten wir die Fische genau an die Stelle getrieben, wo wir sie am besten fangen konnten.
Zwei Jungs hielten die Dosen vor das Getümmel der Fische und zwei andere trieben sie sodann mit den Netzen hinein.
Die Ausbeute war nie groß. Die Fischlein waren extrem schnell und es war wirklich nicht einfach, welche einzufangen. Dazu benötigten wir schon viel Geduld und auch Zeit.
Oftmals haben wir dabei diese dabei vergessen und machten uns dadurch verspätet auf den Heimweg.
In der Regel konnte jeder von uns zwei Fische mit nach Hause nehmen.
Das Transportieren in den offenen Dosen war schon für sich eine kleine Jonglierkunst und noch begnadeter war es, wenn man die kleinen Fische noch lebend zu Hause in ein Glas geben konnte.
Denn diese Fische hatten die Eigenschaft, aus der Dose zu springen.
So musste man während des ganzen Heimwegs mit einer Hand die Dose zu halten. Nicht immer dachte man daran!
Schon damals war es strengstens verboten, die Stichlinge zu fangen und man dürfte sich von dem Feldschütz keinesfalls erwischen lassen.
Leider mussten wir alle die Erfahrung machen, dass unsere Fischlein sich nicht lange am Leben halten konnten und nur maximal eine Woche überlebten.
So machten wir uns wieder auf, um neue Fische zu fangen.
Ich erinnere mich gerne an dieser Zeit. Vor allem auch daran, dass wir Jungs uns zwischendurch, wenn uns der Hunger überkam, von den Früchten der umliegenden Felder und Äcker ernährten.
So gab es, je nach Jahreszeit, Obst, Gemüse, Karotten, Radieschen, Rhabarber und vieles andere.
Wir haben die Feldfrüchte einfach im
Bach abgewaschen und so gegessen, wie sie waren.